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SEHR GEEHRTES PUBLIKUM, GRÜSS G-TT!


In unserem Blog war es in letzter Zeit etwas still, aber das nicht grundlos. In der Zwischenzeit waren wir nämlich sehr fleißig und das ein oder andere Ergebnis dieses langen, zeit- und arbeitsaufwändigen Veränderungsprozesses hat schon seinen Weg in die Öffentlichkeit gefunden. Unsere neue Homepage zum Beispiel oder unser neues Logo. Oder vielleicht ist euch auch der ein oder andere Flyer von uns über den Weg gelaufen. Oder unser Imageplakat, das derzeit von den Kultursäulen in ganz München leuchtet. Oder die Anzeigen im SZ-Magazin, im inMünchen ... 

Doch wir haben nicht nur unseren Look verändert, sondern auch unseren Namen. Ab sofort heißen wir JEWISH CHAMBER ORCHESTRA MUNICH!

           


Warum die Umbenennung und warum dieser Name? Und was hat es mit GRÜSS G-TT auf sich?
Aufschluss darüber gibt unser ziemlich druckfrisches Jahrbuch. Darin gibt Daniel Grossmann, Gründer, Künstlerischer Leiter und Dirigent des JEWISH CHAMBER ORCHESTRA MUNICH auf diese Fragen eine Antwort:

„SEHR GEEHRTES PUBLIKUM, GRÜSS G-TT! 

Mit unserem Spielzeitmotto kündigen wir die größte Veränderung in der 13-jährigen Geschichte des Orchesters Jakobsplatz München an: wir geben uns einen neuen Namen — ab sofort heißen wir JEWISH CHAMBER ORCHESTRA MUNICH!

Die Entscheidung, den Namen zu wechseln, wurde nicht leichtfertig getroffen, sondern leidenschaftlich und ausgiebig im Team, mit treuen Wegbegleitern des Orchesters und Experten aus dem Kulturbereich diskutiert. Sie entstand aus der Überzeugung heraus, der Entwicklung des Orchesters seit der Gründung im Jahr 2005 einen adäquaten, klaren Ausdruck zu verleihen. Für uns unumgänglich wurde die Namensänderung mit der Ausweitung der Konzerttätigkeit über die Münchner Stadtgrenzen hinaus, wo der St.-Jakobs-Platz nicht (sofort) mit dem Jüdischen assoziiert wird. Doch wir wollen uns eindeutig zu unseren jüdischen Inhalten bekennen und diese auch offensiv im Namen kommunizieren.

»Warum nicht die deutsche Form?«, werde ich immer wieder gefragt. Leider und doch nachvollziehbar ist das deutsche Wort »jüdisch« sehr stark belastet: die Schrecken des Holocaust, das damit verbundene Leid beziehungsweise die Schuld gehören stets zu den ersten Assoziationen; im öffentlichen Raum tritt Judentum oft in Verbindung mit Mahnmalen und Gedenkstätten in Erscheinung. Erinnerungsarbeit ist enorm wichtig, das steht vollkommen außer Frage!

Doch als in Deutschland geborener und lebender Jude ist mein vorrangiges Anliegen ein anderes: Ich will eine heutige, lebendige und sichtbare jüdische Kultur in Deutschland mit aufbauen. Mit dem JEWISH CHAMBER ORCHESTRA MUNICH wollen wir allen Interessierten das Erleben jüdischer Kultur im doppelten Wortsinne »leicht machen«: Indem wir einen unbeschwerteren Umgang mit der jüdischen Kultur in Deutschland vertreten und einen leichten, für alle offen stehenden Zugang zu jüdischer Kultur schaffen, hoffen wir, jüdische Kultur als einen selbstverständlichen Teil der gegenwärtigen Kultur zu etablieren.

All diese Überlegungen haben uns dazu bewogen, einen englischen Namen zu wählen. Denn das Wort »jewish« klingt auch in Ohren, die die deutsche Sprache gewohnt sind, etwas leichter, unbeschwerter — was vielleicht an der allgegenwärtigen Präsenz von jüdischer Kultur in US-amerikanischen TV-Serien und Kinofilmen liegen mag, vielleicht am vielzitierten typisch jüdischen Humor, der nur allzu gerne von US-amerikanischen Comedians mit jüdischen Wurzeln nicht nur gelebt, sondern tagtäglich aufs Korn genommen wird.

Und so sagen wir GRÜSS G-TT — zu unserem neuen Namen, aber vor allem auch zu Ihnen, unserem Publikum, dem wir uns unter neuem Namen und mit einem vollkommen neuen öffentlichen Auftritt, entworfen vom jungen Designkollektiv WIEGAND VON HARTMANN GBR + BORGMANN, vorstellen möchten! Unser Spielzeitmotto soll eine offene, unbeschwerte Einladung an Sie sein, mit uns in Kontakt zu treten, uns vielleicht — immer wieder neu und anders — kennen zu lernen. Grüß G-tt ist auch ein Ausdruck dafür, sein Gegenüber wahrzunehmen, auch anzunehmen, so wie es ist. Grüß G-tt ist typisch bayerisch, aber auch überraschend anders; es baut mögliche Barrieren ab und lädt zum Schmunzeln ein, kann aber zugleich für Irritation sorgen. In Grüss G-tt finden wir uns wieder!

Zur kurzen Erklärung: Das kodierte Schriftbild von G-tt geht auf das Verbot im Judentum zurück, den Namen G-ttes aus Ehrfurcht nicht zu schreiben. Doch lassen Sie sich besser von Anthony Rowley, dem Herausgeber des Bayerischen Wörterbuchs, und dem Landesrabbiner a. D. Joel Berger die bayerische Grußformel beziehungsweise G-ttes Schreibweise im Judentum erklären. Wir danken diesen beiden ausgewiesenen Experten ihres Faches sehr für die lehrreichen und unterhaltsamen Texte, die unser Jahrbuch bereichern! ... “

Ihr wollt auch noch die beiden Texte von Joel Berger und Anthony Rowley lesen? Dann meldet euch telefonisch (089-1228 9599) oder via E-Mail (info@jcom.de) in unserem Orchesterbüro, wo ihr das Jahrbuch ab sofort beziehen könnt. Oder kommt zu unseren Konzerten und holt es euch persönlich ab.

Dazu habt ihr bereits am Sonntag, 21. Oktober, die Gelegenheit. Da setzt das neue JEWISH CHAMBER ORCHESTRA MUNICH auf eine alte, liebgewonnene Tradition: Das Jüdische Neujahrskonzert im Prinzregententheater München. 
Seid dabei, wenn die beiden Kantoren, der junge Itzhak Zelmann aus Israel und der Star der Kantorenszene Netanel Hersthik das Prinzregententheater zum Mitklatschen und Mitsingen bringen. Und kommt im Anschluss in den Gartensaal, um mit uns anzustoßen: auf das neue Jahr 5779, aber auch auf das neue JEWISH CHAMBER ORCHESTRA MUNICH!

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