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Words and Music – Morton Feldman zum 90. Geburtstag


(Fotograf unbekannt; Morton Feldman mit der Partitur seiner Oper Neither (1977) im Hintergrund, zu der Samuel Beckett das 87 Wörter umfassende Libretto geschrieben hat.)


Morton Feldman, geboren 1926, ist bekannt für provokante Aussagen wie „Polyphony sucks“ oder für Stücke, die die Geduld der Zuschauer vier bis fünf Stunden auf die Probe stellen. Keine Angst, bei unserem  nächsten Konzert am 18. Juli steht ein für ihn ungewöhnliches Werk auf dem Programm: Words and Music, komponiert 1987, ist nicht nur eines seiner kürzeren (ca. 45 Min.!), sondern zudem das einzige Werk, bei der es die Sprache sowohl anteilsmäßig als auch thematisch mit der Musik aufnimmt – oder es zumindest versucht. Der Text dazu stammt von einem weiteren kompromisslosen Künstler: Samuel Beckett.


„Morton Feldman war ein großer, unwirscher jüdischer Typ aus dem Stadtteil Woodside in Queens/New York, Sohn eines Herstellers von Kinderbekleidung. Bis zum Alter von 44 Jahren arbeitete er im Familienbetrieb, später erhielt er einen Lehrstuhl für Komposition an der State University of New York in Buffalo. Er verstarb 1987 im Alter von 61 Jahren. Zur Überraschung fast aller erwies er sich als einer der herausragenden Komponisten des 20. Jahrhunderts – ein souveräner Künstler, der unermessliche, stille, schmerzlich schöne Klangwelten zu erschließen imstande war.“ So beschreibt Alex Ross den Komponisten in seinem Essay Erhabenheit auf Amerikanisch


Feldman ist einer, der mit Traditionen bricht, Tabula rasa macht. Reduktion, Stille, musikalische Bewegungen ohne Expressivität sind Worte, mit denen man sein Schaffen in Verbindung bringt. Es ging Feldman nicht um Sinnstiftung, vielmehr um das Entdecken und Erforschen neuer Wahrnehmungsdimensionen. 


Einen „Redekünstler“ nennt Alex Ross ihn auch – was Feldman in folgendem Zitat einmal mehr mit einer für ihn typischen Prise Größenwahn und Humor unter Beweis stellt:

„Weil ich Jude bin, identifiziere ich mich nicht, sagen wir, mit der Musik der westlichen Zivilisation. In anderen Worten: Wenn Bach uns eine verminderte Quarte vorgibt, gibt es in mir kein Verständnis dafür, dass diese verminderte Quarte ›o Gott‹ bedeutet. […] Was sind unsere Moralbegriffe in der Musik? Sie sind begründet in der deutschen Musik des 19. Jahrhunderts, nicht wahr? Darüber denke ich nach, und außerdem beschäftigt mich der Gedanke, dass ich der erste große jüdische Komponist sein möchte.“

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