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​„G. W. Pabst ist mein Allerliebster unter den deutschen-deutschen Regisseuren“ ...


... so Quentin Tarantino, der von einem Autodidakten und Cinemaniac zu einem der bedeutendsten Filmregisseure des sogenannten Neuen Hollywood avancierte. Seine Liebe zu Georg Wilhelm Pabst bringt er einmal mehr im Film Inglourious Basterds zum Ausdruck. Einer der plakativsten Referenzen an seinen „Allerliebsten“ findet sich gegen Filmende, kurz vor dem Showdown, wenn ein verschlossenes Kino voller Nazi-Größen in Flammen aufgeht: Zu sehen ist die Ankündigungstafel über dem Kinoeingang, an der der Schriftzug von Pabsts Namen und dem Titel seines Bergfilms Die weiße Hölle vom Piz Palü prangt – ein Film von 1929, in der weiblichen Hauptrolle Leni Riefenstahl. Unter anderem dieser Film als auch die Tatsache, dass er nach 1939 in Deutschland blieb, brachte ihm bei einigen Kollegen, Wissenschaftlern und Kritikern den Ruf eines Opportunisten ein.


 


Pabst zählt zu den bekanntesten Filmschaffenden des sozial engagierten, des politisch eher links orientierten Kinos. Besonders in der Stummfilm- und frühen Tonfilmzeit schuf er Klassiker der Filmgeschichte. Er gilt als wichtiger Vertreter der Neuen Sachlichkeit und zeigt ungeschönt die Schattenseiten der Moderne. Aber er inszeniert eben auch romantische Stoffe oder triviale Historie versehen mit mystischen Elementen. Vermutlich ist gerade deswegen sein Gesamtwerk eines der reizvollsten der deutschen Filmgeschichte.

Am  Dienstag, 15. März 2016 wird das OJM Pabsts Erstling Der Schatz im Hubert-Burda-Saal des Jüdischen Zentrums am Jakobsplatz aufführen. Ein Film, der perfekt im expressionistischen Stil umgesetzt ist und bereits das Motiv – die Verbindung von Sex, Liebe, Geld und Macht – beinhaltet, das Papst vor allem in seinen besten Filmen aufgreift. Die Musik schrieb Max Deutsch (wie auch für Die freudlose Gasse, 1925 der Durchbruch für Pabst). Mehr zu diesem jüdischen Komponisten im nächsten Beitrag.

Zum Schluss eine Kostprobe aus einem anderen Pabstschen Meisterwerk, aus seiner Verfilmung von Frank Wedekinds Die Büchse der Pandora: Die begnadete Louise Brooks, eine Schauspielerin und Tänzerin, die vor allem durch ihre unwiderstehliche Mischung aus Amoralität und Unschuld die Stummfilm-Ära der Weimarer Republik wie kaum eine andere geprägt hat, in ihrer Paraderolle als Lulu – genauer gesagt in einer Tanzszene mit der lesbischen Gräfin Geschwitz, die damals nicht nur das Gemüt des Bräutigams Dr. Schön erhitzte …

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