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Der Sommer ist vorbei - Schanah towah 5776!

Die Vorbereitungen für den Saisonauftakt sind in vollem Gange, das Jahrbuch geht demnächst in Druck und auch die Planung der Saison 16/17 darf nicht vernachlässigt werden. Da kann man insbesondere als Nichtjüdin schon mal kurz aus dem Blick verlieren, dass das jüdische Neujahr zwar mit dem  OJM-Kantorenkonzert am 7. Oktober gefeiert wird, aber streng genommen nicht damit beginnt: Rosch ha-Schanah fand dieses Jahr am 12./13. September statt, gerade sind die zehn Tage der Umkehr vorbei und heute ist Jom Kippur, der höchste aller jüdischen Feiertage.


Doch wieso bekommt man in der Öffentlichkeit so wenig davon mit? Silvester und Neujahr kann man schwer überhören, es wird geböllert und geknallt, was das Zeug hält, an jeder Ecke findet eine Party statt und die Straßen und insbesondere die Münchner Isar-Brücken sind mit Glasscherben und sonstigen Resten des Festes gepflastert. Und das jüdische Neujahr geht sang und klanglos an uns vorüber - warum?

Vermutlich weil die jüdischen Feiertage ganz im Zeichen der Reue, Umkehr und Versöhnung stehen - Themen, die eher ruhige Introspektion benötigen denn exzessives, lautes Partytreiben. Vor Jom Kippur gibt es vierzig Tage Zeit, sich mit den Verfehlungen des letzten Jahres kritisch auseinanderzusetzen, diese zu bereuen und Feindseligkeiten aus der Welt zu schaffen - Frieden soll einkehren. Ziel ist es, ein besserer Mensch zu werden, sich auszusöhnen mit sich, mit den Mitmenschen - und mit Gott. Im Idealfall ist dieser Zustand schon bis Rosch ha-Schanah erreicht sein, aber wer es nicht schafft, der hat sozusagen noch zehn Tage Galgenfrist bis zum Versöhnungstag Jom Kippur. Der biblische Hintergrund: Die Anbetung des Goldenen Kalbes am Fuße des Berges Sinai. Eine der schwersten Verfehlungen Israels seinem Gott gegenüber. Auch hier waren 40 Tage Buße und Umkehr nötig, bis der Bund erneuert war.


Typische Rosch ha-Schanah und Jom Kippur-Beschäftigungen: Beten, Fasten und Blasen des Schofars.

Zudem ist Silvester wohl ein schlechter Vergleich, schließlich handelt es sich hierbei um keinen kirchlichen Feiertag, sondern lediglich um einen Heiligengedenktag. Das christliche Kirchenjahr endet auch nicht an Silvester, sondern bereits am Vorabend des 1. Adventsonntags. Der sogenannte Weihnachstfestkreis, in dessen Zentrum die Geburt Jesu und damit die Menschwerdung Gottes steht, beginnt mit der vierwöchigen Buß- und Fastenzeit, dem Advent, und endet bei den Protestanten am 6. Januar, dem Epiphanie-Tag, bzw. bei den Katholiken am darauffolgenden Sonntag, an dem die Taufe Jesu gefeiert wird.

Jetzt aber genug von Weihnachten, wir haben sowieso nur noch wenige Tage bis uns die ersten Lebkuchenverpackungen aus den Supermarktregalen entgegenglänzen! Lieber noch auf folgenden Link klicken und einem der vielen Bräuche rund um Rosch ha-Schanah und Jom Kippur lauschen, dem Blasen des Schofars, wenn auch in einer unorthodoxen und nicht ganz ironiefreien Interpretation: https://www.youtube.com/watch?v=1lipRIs1Zeo

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