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Von schrillen Domspatzen und schönen Müllerinnen

 © Falk Kastell


Zugegeben, das ausgewählte Foto kann auf die falsche Fährte führen, denn dies ist kein Beitrag über Supermodels in der Klassikbranche! Vielmehr wollen wir den von uns mit Freude erwarteten Solisten unseres nächsten  Konzerts vorstellen: Benjamin Appl
Daniel Grossmann erlebte den jungen Bariton vor einigen Jahren im Münchner Prinzregententheater und war sofort eingenommen von seiner weichen, kultivierten Liedstimme. "Seither stand für mich fest, dass wir ihn als Solisten einladen müssen“, so der Dirigent des OJM.

Als gebürtiger Regensburger begann Benjamin Appl seinen Weg als Sänger - wie könnte es anders sein - bei den Regensburger Domspatzen. Seine zwei älteren Brüder waren dort aufgenommen, daher fragte ihn der „Chef“ der Domspatzen Georg Ratzinger, ob er es ihnen in ein paar Jahren gleichtun wolle. Zum Entsetzen seiner ganzen Familie gab der kleine Benjamin auf diese vermutlich eher rhetorisch gemeinte Frage eine grundehrliche Antwort: „Ich kann nicht zwischen all den schrillen Jungen singen. Das finde ich widerlich!“ Vier Jahre später wurde er dennoch aufgenommen.

Und wiederum ein paar Jahre später heißt es in einer Kritik über seine Darbietung von der schönen Müllerin bei der letztjährigen Schubertiade Hohenems: „Da müsste schon sehr viel schief gehen, sollte dieser junge Mann nicht in kürzester Zeit auf den wichtigsten Konzert- und Opernbühnen anzutreffen sein. Benjamin Appl hat wirklich alles, was man für eine Sängerkarriere braucht. Die Stimme: groß, rund, perfekt geführt. Musikalität, Ausstrahlung, Bühnenpräsenz, Körpergröße, gutes Aussehen: alles vorhanden.“
Und es ist nichts schief gegangen, was man an den Stationen seiner  Biographie ablesen kann: Studium in München und London; Unterricht bei namhaften Lehrern wie Edith Wiens, Helmut Deutsch, Brigitte Fassbaender, Christian Gerhaher, Thomas Hampson, Dietrich Fischer-Dieskau (er war sein letzter Schüler) und Rudolf Piernay; zahlreiche Preise und Stipendien, darunter der Schubert-Preis der Deutschen Schubert-Gesellschaft (2012), die Studienstiftung des Deutschen Volkes und die Richard-Wagner-Gesellschaft; Auftritte als Liedsänger u.a. in der Carnegie Hall New York oder der Wigmore Hall London; Einladungen zu internationalen Musikfestivals wie dem Rheingau Musikfestival oder dem Oxford Lieder Festival; Auftritte mit u.a. der Akademie für Alte Musik Berlin, dem Bach Collegium Stuttgart, dem BBC Philharmonic Orchestra sowie den Nürnberger Symphonikern; Opernengagements als Conte in Le Nozze di Figaro in London, Aeneas in Purcells Dido and Aeneas beim Aldeburgh Festival, Baron Tusenbach in Eötvös' Tri Sestri im Münchner Prinzregententheater sowie an der Berliner Staatsoper unter den Linden und in der Uraufführung von Ganders Das Leben am Rande der Milchstraße bei den Bregenzer Festspielen - kaum zu glauben, dass Benjamin Appl gerade mal etwas mehr als 30 Jahre alt ist.
Und die Karriere geht weiter: In der nächsten Saison wird er als "ECHO Rising Star" mit Liederabenden in Europas wichtigsten Konzertsälen zu erleben sein.

Doch zuvor, am 20. April macht er in München Halt und wird mit dem OJM unter Daniel Grossmann die Rückert-Lieder von Gustav Mahler interpretieren. Damit die Zeit bis dahin nicht zu lang wird, empfehle ich eine Hörprobe vorab: Franz Schuberts Lied Ungeduld aus dem Zyklus Die schöne Müllerin, Benjamin Appl zusammen mit dem legendären Graham Johnson am Klavier. 

Wer noch mehr über Benjamin Appl erfahren will, dem sei zudem ein sehr sympathisches  Kurzporträt von BBC Radio 3 ans Herz gelegt. 

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