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Rosch Chodesch - Frauentag auf jüdisch

Einmal im Jahr findet der Internationale Frauentag statt - und das ist heute, am 8. März! Ins Leben gerufen hat ihn in Deutschland Clara Zetkin, Politikerin und Frauenrechtlerin. Auf ihre Initiative fanden ab 1900 parallel zu den Parteitagen Frauenkonferenzen statt, und als dies 1910 von der sozialdemokratischen Führung unterbunden wurde, erfand sie den Internationalen Frauentag. Sie und ihre Mitstreiterinnen setzten sich für die Gleichstellung der Frau auf allen Ebenen ein. Sie forderten beispielsweise gleiche Löhne bei gleicher Arbeit und staatliche Kinderbetreuung - kommen uns diese Forderungen nicht irgendwie bekannt vor?

 Clara Zetkin (links) mit Rosa Luxemburg, 1910


Clara Zetkin und etwa ein Drittel der in der ersten Frauenbewegung führenden Frauen waren übrigens Jüdinnen. Und ein Blick in die jüdische Tradition lohnt, wenn man sich für ursprüngliche Varianten des Frauentags interessiert. Es gibt nämlich - einen weitgehend vergessenen - Brauch, Rosch Chodesch als Frauentag zu begehen.
Rosch Chodesch (wörtlich „Kopf des Monats“) ist der Beginn des neuen Monats im jüdischen Kalender. Bis heute betet die Gemeinde in der Synagoge für einen gesegneten Monat. Der Tag ist also mit der Idee des Neuanfangs verbunden, ein durch die Geburt per se weibliches Thema. Andererseits besagt die jüdische Tradition, dass der Rosch Chodesch den Frauen als Belohnung gegeben worden ist. Sie weigerten sich, Aaron Schmuck für das goldene Kalb zu geben (2 Mose 32,3). Die Frauen verweigerten sich also dem Götzendienst und dafür belohnte sie Gott mit einem freien Tag. Denn auch wenn Rosch Chodesch nie ein offizieller Feiertag war, galt er für Frauen - auch in nachbiblischen Zeiten - als arbeitsfrei.

In Jerusalem treffen sich seit rund 30 Jahren die „Women of the Wall“ immer an diesem Tag um 7 Uhr morgens zum gemeinsamen Beten, Singen und Essen an der Klagemauer - was bis heute keine Selbstverständlichkeit darstellt und was immer wieder zu gewaltsamen Zwischenfällen führt.
Aber auch gerade in letzter Zeit wird dieser Tag von Frauen wiederentdeckt, etwa in den USA oder auch in Deutschland. Hier wie dort finden sich Rosch-Chodesch-Gruppen einmal im Monat zusammen und setzen sich thematisch z.B. mit Frauen auseinander, die von der jüdischen Tradition mit dem jeweiligen Monat in Verbindung stehen, wie Ester im Adar oder Ruth und Naomi im Sivan.

Übrigens: Das OJM beschäftigt sich am 14. Juni 2015 mit einer der wichtigsten jüdischen Frauenfiguren - mit Judith. Bei diesem Konzert in Kooperation mit dem Opernstudio der Bayerischen Staatsoper und dem Kammerchor der Universität Augsburg wird der Judith-Mythos in Form von Mozarts Oratorium La Betulia liberata im Mittelpunkt stehen.

Als kleinen Vorgeschmack auf dieses Konzert und vor allem als Gruß an alle Frauen gibt es hier Giudittas Arie aus dem 1. Teil des Mozart-Oratoriums zum Hören und die deutsche Übersetzung des Textes zum Lesen:
"Ich gehe unbewaffnet und ohne Furcht; ich gehe allein, aber sicher; ich gehe durch das Dunkel, doch fürchte ich mich nicht. Der mich antrieb zu dieser großen Prüfung, begleitet und beschützt mich: Ich trage ihn in meinem Geist und höre ihn sagen, dass ich siegreich sein werde."

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